
Bewusste Retreats
Bayern
Schweigeretreats, Frauenkreise und Embodiment zwischen Allgäu und Ammersee: Seminarhäuser auf 900 Metern, Klöster, in denen noch gebetet wird.

Bewusste Retreats
Schweigeretreats, Frauenkreise und Embodiment zwischen Allgäu und Ammersee: Seminarhäuser auf 900 Metern, Klöster, in denen noch gebetet wird.
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Bayerns Retreat-Landschaft ist leiser als ihr Ruf und älter, als man denkt. Sie wohnt in umgebauten Bauernhöfen, ehemaligen Kurhäusern und lebendigen Klöstern, im Allgäu oft zwischen 700 und 950 Metern: der Yoga-Vidya-Ashram in Oy-Mittelberg im Oberallgäu, das Ökodorf-Seminarhaus Sulzbrunn im ehemaligen Jodbad bei Kempten, die Missionsbenediktinerinnen von Kloster Bernried am Starnberger See. Ein Retreat hier kann eine Yoga-Wander- und Fastenwoche im Allgäu sein, ein Frauen-Retreat mit Sharing-Kreis, Ritual und Feuer am Abend, ein Embodiment-Training, das mit der Münchner Ecstatic-Dance-Szene aufs Land zieht, oder eine Schweigewoche im Kloster, mit dem Stundengebet als Zeitanker. Zwei alte Schichten tragen alles Neue: die klösterliche Stille-Tradition und die Allgäuer Kur-Tradition, Kneipp in Bad Wörishofen und die Schroth-Kur in Oberstaufen. Schweigen und kaltes Wasser sind hier kein Trend, sondern Erbe.
Die ehrliche Geographie Bayerns hat zwei Stufen. Fünfseenland und Voralpenland liegen unter einer Stunde von München: Die S8 braucht rund 50 Minuten nach Herrsching am Ammersee, die S6 fährt bis Tutzing, und von dort hält die Kochelseebahn in Bernried und erreicht Benediktbeuern in etwa einer Stunde. Das Allgäu ist die tiefere Stufe, rund zwei Stunden entfernt: keine Feierabend-, sondern Wochenend-Distanz, und genau deshalb der Ort für mehrtägige Arbeit. Viele Häuser haben einen eigenen Bahnhalt, Oy-Mittelberg an der Strecke von Kempten nach Pfronten, die Erzabtei St. Ottilien an der Ammerseebahn: Anreisen ohne Auto ist hier kein Versprechen, sondern ein Fahrplan. Das Angebot ist klein und kuratiert, man kennt hier noch jedes Haus.
Drei Stränge tragen das Programm. Der erste ist die Stille: Vipassana-Wochen und säkulare Achtsamkeit, christlich-kontemplative Exerzitien bei den Benediktinern von St. Ottilien und in Kloster Bernried, Zen-Sesshins mit Dokusan und Teisho im Meditationshaus Dietfurt im Altmühltal, das der Zen-Pionier Hugo M. Enomiya-Lassalle 1977 einweihte. Frauen-Retreats sind der zweite Strang: mehrtägige Formate auf Allgäuer Höfen und am Ammersee, mit Embodiment am Morgen, Sharing-Kreisen, Ritual, Kakao, Sauna und Feuer am Abend, in kleinen Gruppen und einem Rahmen, der geschützt und selbstbestimmt bleibt. Der dritte zieht aus München mit aufs Land: Die Ecstatic-Dance- und 5Rhythms-Szene der Stadt verlagert ihre Trainings und Intensives in Voralpen-Seminarhäuser, deren Säle groß genug sind, um laut zu werden, und abgelegen genug, um es ohne Publikum zu sein, barfuß und substanzfrei. Getragen wird alles von Yoga-Wander- und Fastenwochen, Kneipp- und Kaltwasser-Elementen und Moor- und Bergwanderungen, die fester Teil des Programms sind, kein Freizeit-Extra.
Der dichteste Cluster liegt im Oberallgäu, auf dem Höhenrücken zwischen Kempten und Pfronten: In Oy-Mittelberg steht der Yoga-Vidya-Ashram Haus Allgäu, vegetarisch und alkoholfrei, direkt neben der Wallfahrtskirche; und in Sulzbrunn bei Kempten betreibt eine Ökodorf-Genossenschaft das ehemalige Jodbad als Seminarhaus auf rund 900 Metern, mit 15 Hektar Wald und Wiese drum herum. Näher an München sammelt sich das Fünfseenland: Herrsching am Ammersee mit Yogastudios am See und Frauen-Tagesretreats, der Fußweg durch die bemooste Kiental-Schlucht hinauf zum Kloster Andechs, das Westufer um Utting und Dießen mit seiner Künstlerkolonie-Tradition seit den 1890er-Jahren, die Erzabtei St. Ottilien mit Schweige-Exerzitien, Kloster Bernried am Starnberger See. Und dahinter das Blaue Land: Murnau und Kochel, wo Gabriele Münter und Kandinsky arbeiteten und Franz Marc im Blau das Geistige sah, mit einem Moorlicht, das morgens und abends tatsächlich blau wird, und Benediktbeuern am Rand des Loisach-Kochelsee-Moors.
Das Standardformat ist das deutsche Seminarhaus-Wochenende: Anreise Freitag, Abreise Sonntag nach dem Mittagessen. Die erste Entscheidung ist deshalb die Distanz. Für einen Tag oder ein Wochenende reicht das Fünfseenland, unter einer Stunde von München; für mehrtägige Arbeit lohnt das Allgäu, rund zwei Stunden entfernt und genau deshalb weit genug weg. Danach kommt die Jahreszeit, und jede hat hier ihre eigenen Bilder: Schneeschuh und Stille ab etwa 900 Metern von November bis April, Raunächte und Räuchern zwischen Weihnachten und Dreikönig, Fastenwandern im Frühjahr, wenn die Wiesen noch vor der ersten Mahd stehen, Seeschwimmen im Ammersee, Grüntensee und Staffelsee im Sommer. Im September feiern Bad Hindelang, Oberstaufen, Pfronten und Wertach ihren Viehscheid, die Dörfer sind voll, und die Häuser planen um die Termine herum. Viele Häuser erreichst du ohne Auto. Sieh dir oben an, was ansteht, und finde das Haus und die Menschen, die zu dir passen.
Bayern belohnt es, in Ruhe zu wählen: Zwischen einer Schweigewoche hinter den Klostermauern von St. Ottilien und einem Feuerabend auf einem Allgäuer Hof liegt mehr als eine Zugstunde. Sieh dir die Retreats oben an, finde die Menschen, deren Arbeit dich anspricht, und reserviere deinen Platz direkt. Jedes Retreat auf Arivela führt geradewegs zu den Menschen, die das Haus führen.